Dieser jetzt stattfindende Wandel unserer Gesellschaft (und damit meine ich die gesamte Menschheit am Anfang des 21. Jahrhunderts) ist in erster Linie ein Wandel unseres Bewusstseins, unseres Denkens, Fühlens und Wollens. Er transformiert unsere Wahrnehmung, die Wahrnehmung unserer selbst wie auch unserer Mitmenschen und unserer Umwelt – und damit nicht weniger als die komplette Wirklichkeit. Dieser Wandel beginnt damit, dass wir uns nach und nach aus unseren alten Denkmustern befreien (so, wie ich es kürzlich in meinem Artikel „Die Finanzkrise – eine Bewusstseinskrise“ ausgeführt habe). Dieser Wandel ist ein natürlicher evolutionärer Schritt, den die gesamte Menschheit gemeinsam vollzieht. Er braucht daher keine Anführer, kein Expertenwissen, keine Symbole, keinen Kampf und auch keine Agenda; diese Dinge entstammen dem angsterfüllten Denken unserer Vergangenheit. – Dieser Wandel geschieht so oder so.
Der Wandel braucht keine Anführer
Niemand kennt den Weg im Voraus. Alle Menschen gehen ihn gemeinsam. Und daher kann es keine Anführer, keine Aktivisten, keine Sprecher geben. Sicherlich, Menschen, die öffentlich mehr oder weniger kluge Dinge von sich geben, gibt es; die Medien gieren nach ihnen. Aber sie sind bloße Begleiterscheinungen. Wir sind es von klein auf gewohnt, dass es in unserem Leben Menschen gibt, die das große Wort führen und uns sagen, wo es lang geht. Diese Menschen spielen jedoch dieses Mal keine tragende Rolle; sie sind nicht diejenigen, die den Wandel gestalten. Dieses Mal gibt es keine Macher des Wandels, keine Leitfiguren, keine Revolutionshelden. Und diese Tatsache bereitet denen, die den Status Quo aufrecht erhalten wollen, Schwierigkeiten. Presse und Fernsehen leben davon, Menschen zu Mythen aufzubauen und diese Mythen bei Bedarf wieder zu zerstören. Darin lag bisher ihre Macht; so wurden wir stets manipuliert. Eine Bewegung ohne Wortführer ist jedoch für die Presse nicht greifbar und auch nicht begreifbar. Wir alle sind der Wandel.
Der Wandel braucht kein Expertenwissen
Es zeigt sich bereits jetzt sehr deutlich, dass sich der Wandel völlig unabhängig vom Niveau der Bildung oder Information des Einzelnen vollzieht. (Auch Web 2.0 und Social Media sind – obgleich sie ihren Teil zur Gesamtentwicklung beitragen – nichts als äußere Begleiterscheinungen des Wandels.) Die Armen sind nicht die Dümmeren. Im Gegenteil. Diejenigen die viel besitzen, die an ihren Gütern hängen, die von der Angst beherrscht sind, eines Tages alles zu verlieren, sie sind diejenigen, die sich mit dem Begreifen am schwersten tun. Sie beginnen erst langsam die Tragweite der anstehenden Veränderung zu erahnen, wollen sie aber noch immer nicht wahrhaben. Das wunderbare der derzeit stattfindenden Bewusstseinstransformation ist jedoch, dass sie auf Dauer alle Menschen in positiver Weise mit einschließen wird. Der Wandel ist keine Frage der Information (über äußere Fakten) sondern das Ergebnis der Befreiung unseres Denkens aus katastrophal falschen Vorstellungen und Denkstrukturen.
Der Wandel braucht keine Symbole
Die anstehende Veränderung unserer Welt braucht kein Markenzeichen, kein Signet, keine Fahne, kein Symbol. „Change“, „2012“, Occupy“, „Love“, „Re-love-ution“ sind lediglich Versatzstücke des alten Denkens, auch wenn sie gut gemeint sein mögen, subversiv anmuten und wir sie liebgewonnen haben. Es sind im Grunde nichts weiter als Konsumartikel. Wir können sie uns als Button kaufen oder täglich in Facebook posten, damit auch sicher alles beim Alten bleibt. Hat das Gesicht von Che Guevara auf Hauswänden und T-Shirts in den letzten 40 Jahren auch nur einem einzigen Menschen die Freiheit gebracht? All diese Zeichen künden von einer Sehnsucht. Sie sprechen von unseren Wünschen. Doch dabei vertagen sie den Wandel auf ein Morgen – ein Morgen, das uns auf diese Weise aber keinen wirklichen Wandel bringen wird. Sie stellen lediglich ein zahnloses Murren über die Gegebenheiten dar, die wir schon so lange hinnehmen. Sie zeigen im Grunde nichts anderes, als dass wir uns mit dem Status Quo längst arrangiert haben. Einheit stiftende Symbole und Rituale sind nur dort notwendig, wo diese Einheit gar nicht wirklich existiert. Die anstehende Veränderung hin zu einem Bewusstsein der Einheit brauchen wir jedoch nicht zu probagieren; wir müssen uns um die Verbreitung des neuen Bewusstseins keinerlei Sorgen machen. Alles kommt unaufhaltsam, wenn die Zeit reif ist.
Der Wandel braucht keinen Kampf
Derzeit wird überall auf der Welt demonstriert – erfreulicherweise zumeist friedlich. Doch es ist kaum notwendig, Plätze oder Gebäude zu besetzten, und es sind auch keine Mächtigen zu entmachten. Der Wandel geht viel eher mit einem Desinteresse an den alten Strukturen und Pfründen einher. Die Menschen interessieren sich nicht mehr für Politik, Geld, Waffen oder Macht; sie lassen sich nicht mehr durch sie ködern und korrumpieren. Der Kapitalismus, der auf nichts als dem Egoismus und der Gier des Einzelnen basiert, wird keineswegs abgeschafft, er wird dadurch verschwinden, dass die Menschen aufhören kapitalistisch zu denken. Er wird schlicht und einfach in Vergessenheit geraten. Geradezu einfältig mutet es ja mittlerweile schon an, dass sogenannte Finanzexperten bis vor Kurzem noch behaupteten, der Kapitalismus wäre, eben weil er auf dem Egoismus des Einzelnen basiert, eine brillante Erfindung. Die Menschen lassen sich nicht mehr weiß machen, dass Egoismus einen Evolutionsvorteil darstellt; sie sind dabei, ihren Egoismus hinter sich zu lassen. Darin besteht der Wandel hauptsächlich.
Der Wandel braucht keine Agenda
Die Transformation des Bewusstseins – und nichts anderes geschieht derzeit – ist bei Weitem kein reiner Willensakt. Es gibt im Grunde nichts konkretes, was die Menschen erreichen müssten. Damit kommen diejenigen, die bisher die Macht innezuhaben scheinen, am wenigsten zurecht. Es existiert keine einheitliche Willensbekundung oder Absichtserklärung. Es existiert kein Katalog von Forderungen. Gerade das Fehlen von Forderungen, nicht das Mehr-Wollen, sondern das Entsagen macht es den Regierenden in gewisser Weise unmöglich, sich auf die Situation einzustellen und zu reagieren, z.B. in der Form, vorübergehende Zugeständnisse zu machen, um die Menschen zu besänftigen und nach und nach wieder einzuschläfern. Aber was gäbe es schon zu fordern? – Mehr Freiheit? Mehr Geld? Mehr Mitsprache? Die Menschen erkennen langsam, dass sie freie Wesen sind und zugleich integraler Bestandteil der Familie, die wir Menschheit nennen. Es geht um nichts weiter als das zu leben und auch zu sein – oder, anders ausgedrückt, um SEIN. Bei wem sollten die Menschen das fordern? Dieses SEIN liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen.
Der globale Wandel ist ein natürlicher evolutionärer Schritt, den die gesamte Menschheit gemeinsam vollzieht. Er braucht daher keine Anführer, kein Expertenwissen, keine Symbole, keinen Kampf und auch keine Agenda. Er geschieht, weil wir ihn wollen, weil wir ihn denken, und vor Allem, weil wir an ihn glauben. Unser Glaube gestaltet unsere Wirklichkeit.
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