Svami Sivananda kam nicht etwa auf ungewöhnliche Weise zu mir. Ich begegnete seinem Bild in einem Yogazentrum und er war mir sofort sympathisch. Sivananda sieht herzlich und fröhlich aus, seine Augen leuchten. Kurze Zeit nachdem ich angefangen hatte Hatha Yoga zu üben, entdeckte ich eine Vielzahl seiner Bücher. Als Leseratte war ich natürlich sofort Feuer und Flamme, wollte mehr über sein Leben und Wirken erfahren.

Sein Leben

Sivananda wurde am 08. September 1887 in Südindien in eine Brahmanenfamilie geboren. Sein bürgerlicher Name lautete Kuppusvami. Er wurde gegen den Willen seiner Eltern Arzt und leitete einige Jahre Kliniken in Malaysia. In dieser Zeit hatte er besonders großen Spaß an Sport und schmückte sich auch mit verschiedenen modischen Accesoires. Als er sich im Alter von 36 Jahren auf einen langen Pilgergang begab – in dieser Zeit kreisten seine Gedanken um die Vergänglichkeit aller Dinge – lernte er im Jahr 1923 Svami Vishvananda kennen und gehörte von nun an zum Sarasvati-Orden, einem der großen Mönchsorden in Indien. Er widmete sich einer intensiven Yogapraxis und meditierte täglich viele Stunden. Außerdem half er kranken Mönchen und versorgte alle Bedürftigen mit Medikamenten aus seinen finanziellen Mitteln – die Rupien hatte er durch seinen Arbeitgeber in Malaysia erhalten. Nach zwölf Jahren intensiver Übung entschloss sich Sivananda, einen eigenen Ashram in Rishikesh zu gründen. Bis heute beinhaltet dieser Ashram ein Hospital für Ärmsten. Es war ihm ein Anliegen, dass die Menschen ihr Inneres erforschen und zur Selbstverwirklichung gelangen. Svami Sivananda wollte möglichst viele Menschen erreichen. Daher schrieb er seine Bücher in englischer Sprache. Auch war die Unterrichtssprache im Ashram Englisch, was für die damalige Zeit sehr außergewöhnlich war. Dass er viele Westler in die Inhalte des Yoga einweihte und auch die heiligen Mantras in seinen Büchern allgemein zugänglich machte, stieß bei anderen Yogameistern nicht nur auf Begeisterung. Viele Inder waren der Ansicht, es handele sich um Geheimwissen, welches nicht ohne Weiteres öffentlich gemacht werden dürfe. Svami Sivananda lies sich jedoch in seinem Eifer, andere zu unterweisen, nicht abhalten. Uns kommt sein Yogawissen und seine Offenheit heute sehr zugute und dafür bin ich richtig dankbar. Sivananda fand in seinem Leben das Glück in sich und starb am 14.07.1963.

Lehrer aus der Ferne

Besonders gut gefallen hat mir, dass Sivananda Schülern auf der ganzen Welt Briefe schrieb, in welchen er Ihnen spezielle Unterweisungen gab. Man muss sich einfach einmal vorstellen, wie viele Stunden er täglich dem Briefe schreiben gewidmet hat. Aus Berichten seiner Schüler und weiterer Svamis geht hervor, dass er sich trotz einer Vielzahl anderer Aufgaben hervorragend um den Ashram und die Klinik gekümmert hat. Mehrere Mottos prägten Sivanandas Wirken. Mein Lieblingszitat ist kurz, aber prägnant: „Be good, do good.“ Und darin übe ich mich Tag für Tag.

Er schrieb und schrieb und schrieb …

Bis jetzt habe ich noch nicht alle Bücher von Sivananda gelesen. Jedes einzelne Buch, was ich kenne, ist jedoch etwas ganz Besonderes, weil Sivananda (sofern er wortgetreu übersetzt wurde), einen sehr interessanten Schreibstil hat. Es ist fast, als würde er mit dem Leser sprechen. Er schreibt voller Optimismus, fröhlich und enthusiastisch, manchmal auch streng und strikt, teils widerspricht er sich auch. Viele Texte sind aus Vorträgen zusammengewürfelt und aus diesem Grund finden sich oft Wiederholungen. Das stört jedoch keineswegs, denn so kann man die Inhalte schneller im Gedächtnis behalten. Dennoch faszinieren mich die Bücher sehr, da er eine Vielzahl toller Ratschläge zur Yogapraxis gibt und zudem auch menschlich bleibt. „Auf dem ganzen Weg geistiger Schulung (Sadhana) muß er {der Schüler} von seinem gesunden Menschenverstand Gebrauch machen. Das sollte er nie vergessen.“ (Sivananda, Konzentration und Meditation, The Divine Life Society). Im Buch „Konzentration und Meditation“ schreibt er über Yogis, die in Höhlen leben und Yoga praktizieren und ist der Ansicht, dass die schönste und wirklichste Höhle jene im Herzen des Schülers sei. In einem Buch über Pranayama beschreibt er detailliert viele auch fortgeschrittenere Techniken, während er in einem seiner Bücher über Kundalini Yoga zusätzlich intensiv auf die Energiezentren eingeht, sowie Hinweise zur Ernährung und zum Ziel des Yoga gibt. Das Buch „Die Kraft der Gedanken“ hat mich begeistert und könnte genauso gut das Werk eines modernen Gedankenforschers sein. Es handelt von Gedanken und ihrer Dynamik, den Ursachen und Folgen von Gedanken und zeigt Techniken zum positiven Denken auf. Sein wohl umfangreichstes Werk ist das Buch „Sadhana“, welches detailliert auf viele Techniken eingeht. Sehr schön ist auch das Buch „Hatha Yoga“, weil es tolle Bilder enthält und er interessante Beschreibungen zu den Asanasgibt. Am besten gefällt mir jedoch sein Kommentar zur „Bhagavadgita“, er ist sehr lesenswert. Was wohl mein nächstes Buch von Sivananda sein wird? Ich nehme seine Bücher immer wieder so gerne in die Hand und jedes Mal entdecke ich etwas Neues. Das ist wahnsinnig schön und spannend. Zum Abschluss sein bekanntestes Motto: „Diene, liebe, gib, reinige, meditiere, verwirkliche!“

Hast Du einen besonderen Bezug zu Swami Sivananda oder einem anderen Yogameister? Kennst Du besondere Geschichten aus dem Leben von Sivananda? Hier ist genügend Platz, sich über diesen beeindruckenden Menschen auszutauschen. Ich freue mich schon jetzt über weitere Anekdoten. Bitte schreibe uns auch, wenn Du Fragen zum Leben oder den Büchern von Sivananda hast.

Im Glossar (siehe Sidebar) findest Du eine Erklärung aller rot markierten Begriffe sowie die für die Aussprache maßgebliche Schreibweise in Devanagari und IAST.