Greif nach dem Mond …

… falls du ihn verfehlst, landest Du immer noch zwischen den Sternen. Eine sehr schöne Redewendung unbekannter Herkunft, die ich gerade im WWW entdeckt habe. Der Mond und die Sterne haben für mich etwas mit Grenzenlosigkeit zu tun – und die Grenzen transzendieren, das möchte jeder Yogaübende gerne. Außerdem finde ich es gut, sich auch mal ein ungewöhnliches, vielleicht anstrengendes Projekt vorzunehmen und den Mut zu haben, etwas völlig Neues, Unbekanntes, auszuprobieren.

Der Mond, in Sanskrit Candra, ist Thema dieses Blogartikels, genauer gesagt die „Mondatmung“, in Sanskrit Candra Bhedana. In verschiedenen Quellen, z.B. der Yoga Cudamani Upanishad, wird die Mondatmung beschrieben und da sie etwas unbekannter als die ihr verwandte Übung die „Sonnenatmung“, in Sanskrit Surya Bhedana, möchte ich sie an dieser Stelle erläutern. Schon jetzt bin ich gespannt, wie Dir der unbekannte Pranayama gefällt. Candra Bedhanda wird als kühlender Pranayama für fortgeschritten Übende beschrieben und gehört zum Kundalini Yoga.

Die Technik

Unmittelbar bevor du Candra Bhedana übst, solltest du in einer aufrechten, kreuzbeinigen Sitzhaltung drei Runden Kapala Bhati und 20 Minuten Anuloma Viloma praktizieren, damit Dein Energiekörper entsprechend vorbereitet ist. Gib die rechte Hand in die Vishnu Mudra, die linke in die Jnana Mudra oder Cin Mudra. Verschließe mit dem Daumen das rechte Nasenloch und atme durch das linke Nasenloch acht bis zehn Sekunden tief und gleichmäßig ein. Dann verschließe beide Nasenlöcher und halte die Luft an. Wenn Du die drei Bandhas korrekt beherrschst, solltest du diese während des Luftanhaltens setzen. Halte die Luft solange wie möglich an. Dann atme gleichmäßig durch das rechte Nasenloch aus und beende die Runde, indem Du, wenn du möchtest, kurz Uddhiyana Bandha hälst. Übe so fünf bis zehn Runden hintereinander. Wenn du geübter wirst, kannst du mehrere Sequenzen mit jeweils zehn Runden praktizieren; dazwischen sollten jedoch Pausen liegen, in welchen Du Dich in Shavasana entspannst. Zum Abschluss solltest Du mindestens fünf bis zehn Minuten meditieren, damit sich die neu angesammelte Energie gleichmäßig verteilt. Alternativ kannst du dich einige Minuten in Shavasana, der Rückenentspannunglage, ausruhen. Surya Bhedana und Candra Bhedana solltest Du nicht am gleichen Tag geübt werden. Falls Du täglich übst, wechsle diese Übungen stets miteinander ab, damit Deine Nadis, Deine feinstofflichen Energiekanäle nicht überbeansprucht werden.

Bei der Praxis fortgeschrittener Atemtechniken gilt es grundsätzlich folgende Punkte zu beachten: Nur erwachsene, körperlich und psychisch gefestigte Menschen, die eine Lebensführung im Sinne von Sattva pflegen, sollten diese Übung ausführen. Sattva beinhaltet eine gesunde und maßvolle Ernährung, genügend Schlaf und Erholung sowie Bewegung im Freien und vor allem die Freude am Üben. Fleisch, Fisch, Zucker, Knoblauch oder Zwiebeln sollten in diese Zeiten möglichst nicht gegessen werden. Sattva schließt den Kosum von Drogen (ausdrücklich auch Alkohol und Zigaretten) aus. Zunächst erscheint dies vielleicht anstrengend. Wenn Du jedoch ernsthaft praktizierst, wirst du sicher viele wundervolle Erlebnisse haben, die dir die Welt des Kundalini Yoga immer wieder neu eröffnen und dich zu Einheitserfahrungen bringen können.

Hier schreibt ein Pranayama-Fan für Pranayama-Fans oder solche, die es noch werden wollen. Falls du zu diesem Thema noch Fragen hast, dann schreibe uns einfach einen kurzen Kommentar.

2 Kommentare

  1. Barbara Frolik

    Ein wunderschöner Spruch, den du da gefunden hast, liebe Sivani.
    Unsere Grenzen sind oft da, wo wir sie uns selbst setzen. Wenn man nach dem Mond (oder nach den Sternen) greift, also über die eigenen Grenzen hinausblickt und sie überschreitet, wird viel Wunderbares möglich. Vielen Dank fürs Teilen :)

    • Sivani

      Liebe Barbara,
      danke für deinen Kommentar. Ich mag solche netten Sprüche sehr gerne. Mein Lieblingsmotto ist jedoch: “Alles ist möglich!”. Habe schon so oft erlebt, dass man sich sagt, dies schafft man nicht und aus einem anderen Grund kann man jenes nicht. Aber wenn man etwas wirklich will, dann glaube ich ganz fest daran, dass das dann auch klappt mit dem Wunsch. Natürlich sollte es was ethisch korrektes sein :) . Wie wäre es mit einem Blog-Artikel über Wünsche und welche Meinungen es hierzu im Yoga gibt?

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