Gedankenhygiene

Es tut gut, nicht nur den Körper, sondern auch den Geist zu reinigen. Von Vergangenem, Überflüssigem oder Belastendem. Jeder Gedanke hat nämlich Energie. Wie oft hast Du schon gemerkt, ob Dir Dein jeweiliges Gegenüber wohlgesonnen war, oder auch nicht? Wie oft hast du schon das Gefühl gehabt, eines anderen Menschen Gedanken lesen zu können? Wie wirken sich negative Gedanken auf Gemüt und Körper aus? Wie oft denkst du über die Vergangenheit nach?

Viele Jahre bevor ich mit Yoga begann, faszinierte mich das Thema Gedanken sehr. Zuerst waren es Gedanken anderer, wie zum Beispiel die Ideen bekannter Philosophen, dann meine eigenen Gedanken. Wieso denke ich? Denkt der Mensch ununterbrochen? Kann ich meine Gedanken beeinflussen und fühle ich mich durch positives Denken besser?

In den Yamas wird das Prinzip Ahinsa sehr großgeschrieben, das Nichtverletzen anderer Lebewesen. Dieses Prinzip bezieht sich nicht nur auf den Körper (also keine physische Gewalt oder Verletzung anderer Menschen), sondern auch auf die Gedanken gegenüber Dir selbst, oder anderen. Bestimmt ist Dir schon öfter aufgefallen, wie Menschen reagieren, wenn du Ihnen freundschaftliche Gedanken widmest. Dazu fällt mir das Sprichwort ein: „Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es auch wieder heraus.“ Das finde ich sehr passend und ich beziehe es nicht nur auf Gesprochenes. Ähnlich ist es mit Vergangenem, insbesondere vielleicht verletzenden Ereignissen. Du kannst auch solche Gedanken loslassen und liebevoll verabschieden (natürlich musst Du dies wirklich wollen). So, wie Du im Abstand von Monaten immer wieder den Kleiderschrank entrümpelst und Dinge aussortierst, so kannst Du mit bestimmten Gedanken verfahren. Besonders Vorurteile, Werte über Dich oder andere und dergleichen können dann einfach „entsorgt“ werden. Zu dieser Art der Gedankenhygiene gehört ebenso, Bewertungen über Dich und andere, auch wenn Du sie lediglich denkst, zu vermeiden.

Wenn Du beobachtest, dass du dir viele unnötige Gedanken und Sorgen machst, dann ist es Zeit, hieran etwas zu ändern. Zuerst beginnt die Phase des Gewahrwerdens, Du spürst also, dass du Gedanken hast, die Deinem spirituellen Fortschritt nicht förderlich sind. Gedanken lassen sich übrigens während des Meditierens besonders gut beobachten. Als nächstes übst Du Dich in innerem Frieden. Hierzu gibt es verschiedene Techniken. Du kannst mit Affirmationen üben, visualisieren, dass Du anderen Menschen Licht sendest, oder Liebe, sofern sich Deine Gedanken auf andere Menschen beschränken. Du kannst Dich auf deine Ausatmung konzentrieren und diese verlängern, um den Geist zu beruhigen. Du kannst beten, einen Mantra wiederholen, hingebungsvoll singen, an einen lieben Menschen denken oder auch Asanas üben, wenn Du gerade Zeit hast. Vielleicht fallen Dir weitere Übungen ein? Du wirst feststellen, dass Du Dich nach kurzer Zeit gesünder und frischer fühlst.

Die Vrittis, Gedankenwellen, bewegen sich permanent in unserem Geist. Obwohl Yoga von Patanjali als das „zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist“ definiert wurde, stehen die Vrittis niemals still. Während der Meditation laufen sie im Hintergrund weiter, mit dem Unterschied, dass sich der Meditierende nicht darauf konzentriert und sie einfach an sich vorüberziehen lässt, wie Wolken. Jeder Mensch hat also die Wahl, sich immer weniger mit seinen Gedanken zu identifizieren. So kommt man zur Ruhe, indem man die Gedanken von außen, wie aus einer Vogelperspektive, betrachtet. Andere Menschen spüren immer, wie Du ihnen gegenüber eingestellt bist – mal bewusst, oft jedoch auf einer unterbewusste Ebene, nämlich feinstofflich. Ich möchte Dich hiermit ermutigen, Deinen Geist ganz wachsam zu beobachten und verantwortungsbewusst mit deinen Gedanken umzugehen – sei sowohl zu Dir, als auch zu anderen liebevoll. Dann wirst Du reich beschenkt!

Beobachtest Du Deine Gedanken?

2 Kommentare

  1. Barbara Frolik

    Liebe Sivani, dieses Thema beschäftigt mich auch schon seit längerer Zeit sehr. Seit ich erkannt habe, wie viel unsere Gedanken bewirken, hat sich in meinem Leben vieles verändert. Manchmal ist es nicht ganz leicht, negative Gedankenmuster loszulassen. Selbst dann, wenn man weiss, was sie bewirken. Aber ich finde, es lohnt sich sehr, sich immer wieder bewusst zu machen, was man da eigentlich denkt. So versteht man immer besser, wieso das eigene Leben gerade so ist, wie es ist. Und man kann auch mehr Einfluss nehmen. Sich sozusagen aus der Opferrolle befreien, die viele Menschen unbewusst spielen.
    Liebe an andere Menschen oder gar an die ganze Welt zu senden, ist auch für mich etwas ganz Schönes. Es ist noch nicht lange her, seit ich diese Art des Meditierens für mich entdeckt habe. Gedanken der Liebe (und das damit verbundene Gefühl) haben eine beinahe magische Wirkung. Das Schöne ist, dass Liebe sämtliche Ängste vertreibt. Und die stehen unserem Glück oft am meisten im Weg.

    Ich wünsche euch beiden einen wunderschönen Abend mit guten Gedanken :)

    Liebe Grüsse von Barbara

    • Sivani

      Liebe Barbara, du hast wirklich Recht. Und es stimmt: selbst wenn man sich die negativen Strukturen bewusst gemacht hat, ist es nicht immer leicht, diese auch aufzulösen. Daran arbeiten sicher die meisten Yogapraktizierenden. Zumindest all jene, welche sich nicht nur mit dem körperlichen Part beschäftigen :) Ängste und Sorgen (und meistens sind sie nicht begründet) sind echte Blockaden in unserem Leben. Aber wie gut, dass Yoga und Meditation hier Abhilfe schaffen können! Viele herzliche Grüße und einen wunderbaren Abend.

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