Ein Jogi fliegt zur WM

Yoga und Fußball? Diesem Thema möchte ich mich heute aus aktuellem Anlass widmen. Am 31.05.2005 bekam die damalige Nationalelf ihre erste Yogastunde. Zur Vorbereitung der Weltmeisterschaft 2006 und der Europameisterschaft 2008 begleitete ein Yogalehrer die Mannschaft und ergänzte das normale Training um Kraft- und Dehnungsübungen für Rücken, Bauch und Schultergürtel. Insbesondere die Kriegerpositionen (auch Heldenpositionen genannt) wurden oft geübt. Yoga diente hier nicht nur der Vorbeugung von möglichen Verletzungen, sondern sollte auch im mentalen Bereich helfen. Durch die Tiefenentspannung konnten die Spieler lernen, auch während des Trubels schnell und effektiv abzuschalten. Der Yogalehrer übte also nicht nur rein körperlich mit den Fußballern, sondern brachte Ihnen nach eigener Aussage auch mehrere Aspekte der indischen Philosophie nahe, zum Beispiel die fünf Kleshas (mehr hierüber demnächst in „Was ist eigentlich …?“). Zunächst waren die Übungen durch den damaligen Trainer Klinsmann Pflichtprogramm, später durften sich die Spieler selbst aussuchen, ob sie daran teilnehmen wollten oder nicht.

Ob im Jahr 2010 immer noch Yoga bei der Nationalelf geübt wird, kann ich leider nicht sagen. Fakt ist jedoch, dass Yoga als Ergänzung zu anderen Sportarten und auch als alleinige Praxis für Körper, Geist und der Seele gut ist. Ich bin aufgrund hartnäckiger Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich zum Yoga gekommen und wollte dem Stress den Kampf ansagen. Zuvor versuchte ich mich in Jogging und Nordic Walking. Schon in meinem allerersten Yogakurs zeigte sich, dass die Teilnehmer unterschiedlich Gründe hatten, Yoga zu üben. Einige suchten Entspannung, andere eine bessere Flexibilität, weitere Schüler wollten ausgeglichen und zufrieden werden und es gab auch Schüler, die sich versprachen abzunehmen. Sofern es korrekt und regelmäßig geübt wird, kann Yoga aber noch viel mehr. Durch Atem- und Entspannungsübungen lebt man deutlich gesünder, kleine Meditationen verhelfen zu besserem Gleichgewicht. Das Singen von Mantras und Kirtans öffnet das Herz, die bewusste Nahrungsaufnahme macht uns fitter. Beim Yogaüben geht es immer und Ganzheit und idealerweise übt man Yoga nicht nur auf der Matte, sondern auch im Alltag.

Bis heute hilft mir Yoga und begeistert mich immer wieder. Aus meiner Kampfansage wurde eher ein Langzeitprogramm: Loslassen und Annehmen. Ich verspürte damals zwar sofort eine Wirkung, merkte aber auch, dass ich mit Kampf nicht weiter komme. Dennoch bin ich ehrgeizig und arbeite immer wieder an Asanas, die ich gerne meistern möchte – aber nicht verbissen. Andere Sportarten können uns auf diesem Weg übrigens sehr unterstützen, denn letztlich gilt es, offen zu bleiben und tolerant.

Was hat Dich zu Deinen Anfangszeiten besonders am Yoga begeistert – und fasziniert Dich immer wieder? Übrigens drücken wir Jogis Jungs die Daumen und wünschen uns, dass „wir“ Weltmeister werden!

10 Kommentare

  1. Barbara Frolik

    Fussball interessiert mich nicht so, Yoga dafür immer mehr. Wenn ich etwas näher bei Stuttgart wäre, würde ich sofort zu euch in den Unterricht kommen ;)
    An der Uni war ich mal in einer Yoga-Stunde. Leider war der Lehrer extrem hektisch, da verging meine Freude schnell. Aber jetzt hätte ich echt Lust, es wieder einmal zu versuchen.
    Seit einigen Wochen mache ich regelmässig buddhistisch inspirierte Meditationsübungen. Das Meditieren finde ich auf jeden Fall hilfreich, eine Praxis, die den Körper noch mehr einbezieht – also ganzheitlich ist – wäre aber noch besser.
    Ich finde es auch schön, wie sich solche Übungen auf den gesamten Alltag auswirken können. Mir helfen sie, bewusster zu leben und machen letztendlich einen glücklicheren Menschen aus mir :)
    Dass Kämpfen nur Energieverschwendung ist, da gebe ich dir auch recht. Wenn man aufhört zu kämpfen, geht vieles wie von selbst.

    Ich wünsche euch beiden einen schönen Abend! Ob mit oder ohne Fussball ;)

    • Sivani

      @Barbara:
      Bei Dir in der Nähe gibt es bestimmt auch tolle Yogazentren, hast du schon mal im Internet recherchiert? Die meisten Yogaschulen bieten Schnupperstunden an, sodass du das Ganze noch einmal testen kannst, schließlich liegt einem nicht jeder Stil und jeder Lehrer und das ist etwas ganz Wichtiges. Ja, Yoga verbindet das körperliche Element ideal mit dem Geistigen, man bekommt ein ganz neues Gespür für sich, nimmt sich anders wahr und auch besser an. Und was ich auch noch toll finde, es ist jedesmal wieder eine Herausforderung.

  2. Ellen

    Hallo Sivani,

    hehe, ich wusste gar nicht, dass Yoga auch auf dem Trainings-Plan von den Fußball-Jungs steht. Das finde ich ja klasse! Es hilft bestimmt, die Dinge auch mal anders anzugehen, und so unterschiedliche Ansätze miteinander zu kombinieren.

    Ich drücke den Jogi-Jungs auf alle Fälle ganz fest die Daumen!

    Viele Grüße
    Ellen

    • Sivani

      Liebe Ellen,
      ja, ich war auch zunächst erstaunt, finde es aber nicht nur toll, dass Herr Klinsmann damals dem Rat von Oliver Bierhoff hinsichtlich der Yogaübungen folgte, sondern dass auch die Spieler offen waren, die Übungen anzunehmen und sie teilweise heute immer noch praktizieren.

      Ein Hoch auf die WM!

  3. tina

    Liebe Sivani, dann hoffen wir mal, dass die Fußball-Jungs noch Yoga machen und heute wieder bei sich sind und gewinnen ;-) Ich habe das Yoga-Buch auch mit in Island und das ein oder andere hat mir hier schon richtig gut getan. So war ich grad bei strahlendem Sonnenschein und leichter Meerbrise im Park, habe mich auf die frisch gemähte Wiese gelegt und Atemübungen gemacht ! liebe grüße aus Reykjavik

  4. Sivani

    Liebe Tina,
    ja, irgendwie hat es geklappt, ich freue mich sehr! Der strahlende Sonnenschein ist jetzt auch wieder in Stuttgart, wir haben ihn lange ersehnt…Ich finde es super, dass du Pranayama übst, welche Übung ist denn dein Favorit? Liebe Grüße nach Reykjavik!!

  5. Margot

    Hallo ihr lieben Yogis,
    ich habe gelesen,daß unsere Fußballmanschaft Yogaübungen bei ihrer Vorbereitung zur WM regelmäßig mit einbeziehen. Ich kann mir auch vorstellen,daß sie jetzt zwischen den einzelnen Spielen durch die Yoga-Entspannungsübungen profitieren und dadurch lockerer werden.

    • Sivani

      Hallo Margot,

      ja, das glauben wir auch. Gerade als Ausgleich für die Muskelkräftigung ist die Dehnung sehr wichtig. Vielleicht meditieren einzelne Spieler sogar? Muss das mal genauer in Erfahrung bringen.
      Herzliche Grüße!

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*


Top