Asana Jaya bedeutet, ein Asana zu meistern (wörtl. Sieg über die Stellung). Gestern Abend hatte ich ein wunderbares Erlebnis beim Unterrichten. Eine Schülerin, die länger die stehende Vorwärtsbeuge hielt, da sie wegen einer Sehnenscheidenentzündung die Krähe nicht üben konnte, meditierte ganz beglückt in der Position. Es war so schön anzusehen, dass sie sich komplett in der Stellung fallen lassen konnte. Die vorwärtsbeugenden Übungen haben zwar ohnehin mit Loslassen, Hingabe und Geduld zu tun, die stehende Vorwärtsbeuge auch mit Demut. Dennoch ist es nicht leicht, sich in einem Asana so stark zu entspannen, dass man völlig darin versinkt, nichts mehr hört, sieht, keine Gedanken mehr störend wirken und man einfach nur „ist“.

Für viele Schüler erscheint es zunächst schwierig, sich selbst eine solche Entspannung während der Positionen überhaupt vorzustellen und zuzutrauen. Ich bin der Meinung, dass jeder Asana Jaya erreichen kann. Doch was bedeutet es, Meisterschaft über ein Asana zu erlangen? Zunächst beginnt man, die korrekte Haltung zu erlernen, im nächsten Schritt kombiniert man dies mit der tiefen Bauchatmung oder verwendet die Ujjay-Atmung. Wenn man das Asana kontiniuierlich übt und keinen inneren Widerwillen aufbaut (dies ist bei vielen Schülern insbesondere bei Vorwärtsbeuge und Heuschrecke manchmal der Fall), kommt immer wieder ein Entspannungsmoment während der Position. Wenn sich nun zusätzlich die Gedanken in den Hintergrund bewegen und wir uns ganz der Stellung widmen, können wir die tiefe Entspannung zulassen und zunehmend genießen.

In den alten Yogaschriften wird Asana Jaya nicht detailliert beschrieben. Es ist zwar immer wieder die Rede von der Meisterschaft der Positionen, nach welchem Zeitraum des Haltens eine Position gemeistert ist, darauf legt man sich nicht fest (schließlich gilt auch die Komponente des Loslassens). Im Allgemeinen spricht man von ein bis zwei Stunden des Haltens, wobei auch 20 Minuten schon sehr förderlich sein können. Je länger man eine Positon hält, umso besser können sich die geistigen und energetischen Wirkungen entfalten. Hilfreich ist es, die Übungen, die einem nicht so sehr liegen, als gleichwertig zu den Lieblingsübungen zu betrachten und sich nicht zu viele Gedanken zu machen, wenn eine Übung mal nicht so klappt.

Probiere es doch auch einmal aus, eine Position länger als gewöhnlich zu halten und lasse Dich vom Effekt überraschen!

Im Glossar (siehe Sidebar) findest Du eine Erklärung aller rot markierten Begriffe sowie die für die Aussprache maßgebliche Schreibweise in Devanagari und IAST.