Vishnu, wörtlich „der Alldurchdringende“, ist eine der männlichen Hauptgottheiten im indischen Pantheon. Als Erhalter ist er neben Brahma, dem Schöpfer, und Shiva, dem Zerstörer, Teil der göttlichen Trimurti. Vishnu wird stets mit vier Armen dargestellt. In seinen Händen hält er seine vier Insignien: die Keule, im Sanskrit Gada, den Diskus, Cakra, das Schneckenhorn, Shanka, und den Lotos, Padma. Seine Gemahlin ist Lakshmi, die Göttin des Glücks, des Reichtums und der Schönheit. Auf vielen Abbildungen reitet Vishnu auf Garuda, einem Wesen, das halb Mensch und halb Vogel ist, durch die Lüfte.
Tugenden wie Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft schreibt man ganz besonders Vishnu zu. Er symbolisiert die Kraft des Ausgleichs. Wo immer das Gleichgewicht des Universums bedroht ist, verkörpert er sich als Lebewesen, um zu helfen. Seine zehn großen Inkarnationen, sogenannte Avatare sind
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Matsya, der Fisch,
Kurma, die Schildkröte,
Varaha, der Eber,
Narasingha, der Löwenmensch,
Vamana, der Zwerg,
Parashurama, der erste menschliche Avatar, wörtlich „Rama mit der Axt“,
Rama, wörtlich „Freude“, der Held des Epos Ramayana,
Krishna, wörtlich „der Schwarze“, der Verkünder der Bhagavad Gita,
Buddha, wörtlich „der Erwachte“ und
Kalki, ein weißes Pferd oder ein Reiter auf einem weißen Pferd, der Avatar, der noch erwartet wird.
Anstelle Buddhas gilt manchen Indern auch Balarama, Krishnas Bruder, als neunte Verkörperung. Übrigens ist der siebte Avatar Rama trotz des ähnlichen Namens nicht identisch mit der sechsten Inkarnation Parashurama. Von vielen gläubigen Indern werden die Avatare, meist Krishna und Rama, mit mehr Inbrunst verehrt als Vishnu selbst.
Narayana, wörtlich „der, welcher auf dem Wasser wohnt“, ist ein anderer, sehr gebräuchlicher Name Vishnus, der sich auf Darstellungen bezieht, die die Gottheit schlafend zeigen. Dabei ruht Vishnu auf dem mächtigen Körper der Weltenschlange Adishesha, zu Deutsch „Zeuge der Weltschöpfung“, auch Ananta, „der Unendliche“, genannt, die im kosmischen Ozean schwimmt und ihre tausend Köpfe wie ein Sonnendach über ihn erhoben hat. Aus dem Bauchnabel des schlafenden Vishnu wächst ein langer Stiel mit einer Lotosblüte, auf der Brahma, der Weltenschöpfer, sitzend meditiert. Nach diesem Bild wäre das ganze Universum (einschließlich Brahma) nichts als ein Traum Vishnus.
Vishnu spielt eine zentrale Rolle in der Bhakti-Yoga-Bewegung des heutigen Indien, er taucht jedoch bereits in den Vedas wie auch in einigen Puranas auf. Gläubige, deren Verehrung sich in besonderem Maße auf Vishnu konzentriert, nennt man Vaishnavas. Manche Vaishnavas zeichnen sich mit Sandalpaste senkrechte Linien auf die Stirn. Die Tradition der Vishnu-Verehrung nennt man Vaishnavismus oder auch Vishnuismus.
