Veda, zu Deutsch „Wissen“, ist eine Sammlung der ältesten religiösen Schriften Indiens. Es existieren vier Vedas. Diese sind – in der Reihenfolge ihrer Entstehung – Rigveda, Samaveda, Yajurveda und Atharvaveda. Oft meint der Begriff auch alle vier Textsammlungen in ihrer Gesamtheit. Die Sprache der Vedas ist (zumindest zum überwiegenden Teil) Vedisch, das mit dem Altiranischen verwandt ist und aus dem zur Zeit der indischen Klassik das Sanskrit hervor ging. Die Vedische Epoche dauerte etwa von 1500 v. Chr. (Ende der Bronzezeit) bis 500 v. Chr. und die darauf folgende indische Klassik von 321 v. Chr. (Beginn der Maurya-Dynastie) bis 510 n. Chr. (Ende der Gupta-Dynastie). Aufgrund der engen Verwandschaft beider Sprachen nennt man das Vedische auch vedisches Sanskrit.
Jeder der vier Vedas besteht aus vier Textschichten verschiedenen Alters, nämlich einer Sanghita, einem Brahmana, Aranyakas und Upanishads. Es sei jedoch angemerkt, dass diese Textschichten oftmals nicht genau zu trennen sind und es teilweise starke Überschneidungen gibt. Oft sind die Aranyakas und die Upanishads Bestandteile der Sanghita oder des Brahmana, oder sie sind sogar mit diesen verwoben.
Die vedische Kultur entstand durch die allmähliche Verschmelzung der Induskultur mit einem nomadisierenden Hirtenvolk, das sich selbst „Arya“ nannte, wörtlich „edel“ (Der Begriff „Arier“ wurde im Westen stark von seiner ursprünglichen Bedeutung entfremdet und auch ideoligosch missbraucht.). Die Vedisch sprechenden Arya kamen wohl zwischen 2000 und 1500 v. Chr. in mehreren Einwanderungswellen aus Zentralasien in das Industal (heute Punjab, Pakistan), eroberten die Reste der dortigen, bereits seit einigen Jahrhunderten in einem Auflösungsprozess befindlichen Hochkultur und vermischten sich im Laufe der Zeit mit der einheimischen Bevölkerung. Die Arya besaßen den erste Veda vermutlich schon vor der Einwanderung in das Industal. Die ersten drei Vedas werden nach indischer Tradition auch als Trayi, als Trilogie, bezeichnet, da sie bereits lange vor dem vierten Veda kanonisiert wurden, d.h. ihre endgültige Form erhielten.
Die Vedas sind nicht einfach nur die ältesten Texte Indiens; was ihre Autorität in Fragen der Religion anbelangt, so stehen sie bei den gläubigen Indern bis heute an oberster Stelle. Während im Rigveda gleich an mehreren Stellen zu lesen ist, dass es sich bei seinen Verfassern um die großen Rishis, mythische Seher mit enormen Wunderkräften, handelt, so gelten die Vedas nach jüngerer Überlieferung als sogenannte Shrutis, wörtlich „Gehörtes“, das sind Texte, die als direkt von Gott „gehörte“ Offenbarungen angesehen werden und damit als unbedingt verbindlich gelten; dieser Version zufolge wären die Rishis also lediglich diejenigen, die die Vedas in alter Zeit empfangen und verkündet hätten und nicht deren Autoren.
Ein großer Teil des gesamten Veda setzt sich zusammen aus Hymnen, sogenannten Suktas, die bei Ritualen rezitiert wurden, oder aus genau zu beachtenden Anweisungen zur Durchführung der Opferzeremonien. Im Zentrum der priesterlichen Tätigkeit stand das genaue Memorieren und Rezitieren sowie das exakte Beachten der Ritualvorschriften. Weil die Vedas über mehrere Jahrhunderte ausschließlich mündlich überliefert wurden, mussten sie mit größter Exaktheit auswendig gelernt und weitergegeben werden. Um den Veda aber überhaupt studieren zu dürfen, musste man einer der drei ersten Kasten angehören, also ein sogenannter Zweimalgeborener, in Sanskrit Dvija, sein. Erst ab etwa dem 5. Jh. n. Chr. begann die schriftliche Überlieferung. Jedoch gibt es bis in die Gegenwart Brahmanen, die der Publikation vedischer Texte ablehnend gegenüber stehen. Auch heute noch soll es in Indien Menschen geben, die den Veda komplett auswendig rezitieren können.
Der hohe Stellenwert der Shrutis dokumentiert also auch die Wichtigkeit des gesprochenen im Vergleich zum geschriebenen Wort. Dagegen gelten die sogenannten Smritis, wörtlich „Erinnertes“, andere sehr bedeutende, religiöse Schriften Indiens als zweitrangig, da nur von Menschen überliefert und damit auch nur insofern verbindlich, als sie im Einklang mit den Shrutis stehen, oder direkt auf diese zurückgehen. Was genau zu den Smritis zählt, ist teilweise umstritten, wohl aber zumindest die Puranas (Göttergeschichten), die Itihasas (Heldenepen) und die Vedangas (Anleitungen zum Verständnis und zur korrekten Intonation vedischer Texte).
Beim Ayurveda, der traditionellen, indischen Lehre vom gesunden Leben, handelt es sich übrigens um keinen Veda – auch wenn der Name dies vielleicht nahelegen mag. Ebensowenig stellen die Agamas des Tantra, wie ab und zu vermutet, einen fünften Veda dar. Es bleibt also bis auf Weiteres bei vier Vedas.
Im Glossar (siehe Sidebar) findest Du eine Erklärung aller rot markierten Begriffe sowie die für die Aussprache maßgebliche Schreibweise in Devanagari und IAST.
