Niyama ist eine in mehreren Yogaschriften enthaltene Anleitung für die persönliche spirituelle Praxis, bzw. auch eine einzelne darin enthaltene Anweisung. Am bekanntesten dürfte in diesem Zusammenhang die Beschreibung des Yoga Sutra sein. Darin erklärt der Autor Patanjali den sogenannten Ashtanga Yoga, an anderer Stelle auch Raja Yoga genannt, als einen Übungsweg, der – wie der Name schon sagt – aus acht Teilen besteht. Die fünf Niyamas, die in ihrer Gesamtheit den zweiten der acht Bestandeile darstellen, heißen auf Sanskrit

  1. Shauca bzw. Sattva, Reinheit,
  2. Santosha, Zufriedenheit,
  3. Tapas, Askese,
  4. Svadhyaya, „Selbststudium“ und
  5. Ishvarapranidhana, Hingabe an Gott.

Lies dazu Yoga Sutra, Sadhana Pada 28 f., 32 f. und 40 – 45.

Während Niyama als zweiter der acht Bestandteile des Ashtanga Yoga Verhaltensweisen oder Handlungen regelt, die sich auf den Umgang mit der eigenen Person bzw. der eigenen Spiritualität beziehen, so handelt der erste Bestandteil des Ashtanga Yoga, der „Yama“ genannt wird, vom Umgang mit anderen.

Im Yoga Sutra werden fünf Niyamas aufgeführt. In ähnlicher Weise geben auch andere klassische Schriften Anleitungen für die spirituelle Praxis, so z.B. die Hatha Yoga Pradipika, die Varaha Upanishad, die Shandilya Upanishad und das Yogayajnavalkya. Anders als das Yoga Sutra erwähnen diese Schriften jedoch zehn Niyamas, nämlich

  1. Tapas, Askese,
  2. Santosha, Zufriedenheit,
  3. Astika, Annerkennung des Veda,
  4. Dana, Barmherzigkeit,
  5. Ishvarapujana, Hingabe an Gott,
  6. Siddhantashravana, Empfänglichkeit für Unterweisungen des Meisters,
  7. Hri, Taktgefühl,
  8. Mati, Kontemplation,
  9. Japa, Rezitation der Namen Gottes und
  10. Vrata, Beständigkeit.

Im Glossar (siehe Sidebar) findest Du eine Erklärung aller rot markierten Begriffe sowie die für die Aussprache maßgebliche Schreibweise in Devanagari und IAST.