Brahma (m.) ist seiner einen Grundbedeutung nach eine der männlichen Hauptgottheiten im indischen Pantheon. Zusammen mit Vishnu, der als Erhalter des Universums verehrt wird, und Shiva, dem nicht minder populären Weltenzerstörer, bildet Brahma als der Schöpfer des Universums die göttliche Trimurti. In den Vedas spielt Brahma eine so zentrale Rolle, dass er einer ganzen Epoche seinen Namen gab (Brahmanismus: 800 bis 500 v. Chr.). Außerdem wurden sowohl die indische Priesterkaste, das sind die Brahmanen, wie auch Teile der Vedas, nämlich die Brahmanas, nach ihm benannt.
In der späteren Zeit trat Brahma, was die Verehrung im Glaubensleben der Inder anbelangt, gegenüber Vishnu und Shiva zunehmend in den Hintergrund. Es gibt daher auch nur wenige Brahma-Tempel in Indien; der bedeutendste befindet sich in Pushkar, Rajasthan. Eigenartiger Weise finden sich in den Puranas gleich mehrere unterschiedliche Begründungen für Brahmas mangelnde Popularität: Eine Geschichte erzählt davon, dass es Vishnu war, der die Verehrung Brahmas verhindert habe, um die Welt zu retten; an anderen Stellen ist zu lesen, Brahma sei von Shiva oder auch von einem Rishi (aus jeweils ganz unterschiedlichen Gründen) mit Flüchen belegt worden, die darauf lauteten, dass er niemals wieder von irgendeinem Lebewesen verehrt würde.
Brahma wird meist mit vier Gesichtern dargestellt, die in die vier Himmelsrichtungen blicken. Besonders in Nordindien wird er oft mit Bart dargestellt, was Alter und Weisheit symbolisiert. Seine Kleidung ist rot und auf seinen Köpfen trägt er goldene Kronen. Er hat vier Arme und hält in seinen Händen keine Waffen, sondern verschiedene Zeremoniengegenstände, manchmal aber auch die vier Vedas, Indiens älteste Schriften, nach deren Gesetzen er die Welt am Beginn eines jeden Weltenzyklus neu erschafft. Seine Gemahlin Sarasvati, wörtlich „Herrin des Sees“, steht besonders für Weisheit und Kunst. Wie alle indischen Gottheiten, so ist auch Brahma ein Begleittier zugeordnet, nämlich die Gans (manchmal auch der Schwan).
Brahma (n.) in seiner zweiten Grundbedeutung, häufiger jedoch Brahman (n.), bezeichnet das unbegrenzte, kosmische Bewusstsein und damit Gott selbst in seiner absoluten Form, grenzenlos und jenseits aller Vorstellungen. Brahman ist ein zentraler Begriff des Vedanta, d.i. die Philosophie der Upanishads. Nach dieser Lehre ist Brahman als das, was allem innewohnt und was alles Sein ausmacht, identisch mit dem unsterblichen Wesenskern des Menschen, Atman genannt.

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