Sanskrit transkribieren und aussprechen

Wenn Du Dir über die korrekte Aussprache eines Mantra o.ä. Gewissheit verschaffen möchtest, ist es stets am besten, wenn Du auf die ursprüngliche Darstellung in Devanagari zurückgreifst. So kannst Du Dir selbst herleiten, wie man den Mantra korrekt ausspricht. Dazu ist es notwendig, genau zu wissen, welches Phonem, welcher Devanagari-Glyphe entspricht. Hilfreich ist dabei vor allem die Umschrift in das lateinische Alphabet. Devanagari kann auf verschiedene Arten in die lateinische Schrift transkribiert werden. In unseren Publikationen wenden wir bei der Transkription von Mantras und Sanskrit-Texten sowie bei Herleitung von Wörtern aus dem Sanskrit stets das „International Alphabet of Sanskrit Transliteration“ (IAST) an, das derzeit dem internationalen wissenschaftlichen Standard entspricht. Es beinhaltet diverse diakritische Zeichen, die es ermöglichen, alle Laute der Devanagari eindeutig abzubilden. Aus Gründen der allgemeinen Lesbarkeit haben wir uns jedoch entschieden, es bei der Darstellung von Sanskrit-Begriffen im normalen Text bei der stark vereinfachten Schreibweise ohne Diakritika zu belassen. Im Internet werden Devanagari und die Sonderzeichen des IAST nur durch Schriften zuverlässig dargestellt, die dem sogenannten Unicode-Standard entsprechen. Im Folgenden siehst Du die Auflistung aller Devanagari-Glyphen mit Transkription nach IAST und einer kurzen Anleitung zur Aussprache. Wir beschränken uns auf die im Sanskrit bzw. im Vedischen üblichen Zeichen.

I) Vokale

Alle Vokale, in Sanskrit Svarah, existieren in einer kurzen Form (Grundstufe) und einer langen Form (Dehnstufe).

I.1) Monophthonge (echte Vokale)

Es gibt lediglich drei wirkliche Vokale (jeweils normal lang gesprochen, in der sogenannten Grundstufe, und doppelt so lang gesprochen wie in der Grundstufe, in der sogenannten Dehnstufe).

अ / a (Grundstufe)
आ / ā (Dehnstufe)
इ / i (Grundstufe)
ई / ī (Dehnstufe)
उ / u (Grundstufe)
ऊ / ū (Dehnstufe)

I.2) Vokalische Konsonanten

Die Aussprache der vokalischen Konsonanten wird gebildet, indem sich die Zungenspitze der Gaumenkuppel nähert.

ऋ / ṛ (wie im Englischen riddle, Grundstufe)
ॠ / ṝ (wie , aber Dehnstufe)
ऌ / ḷ (ein l, bei dem die Zungen den Gaumen nicht berührt, Grundstufe)
ॡ / ḹ (wie , aber Dehnstufe)

I.3) Diphthonge (Mischlaute und Doppellaute)

Die Devanagari kennt zwei Arten von Diphtongen. Bei der ersten handelt es sich um wirkliche Diphtonge, bei denen eine Glyphe für einen Doppellaut steht, der auch tatsächlich als solcher gesprochen wird (also als zwei unmittelbar aneinander angrenzende, aber immer noch getrennt hörbare Vokale). Bei der zweiten Art handelt es sich genau gesagt um Pseudodiphtonge, die ebenfalls als Verbindung zwei verschiedener Vokale aufgefasst werden, sich jedoch im Gesprochenen zu einem einzigen, langen Laut vermischen, weshalb sie auch als Mischlaute bezeichnet werden. Die beiden Mischlaute gelten der Systematik zufolge aber dennoch als Grundstufe, während die getrennt und kürzer gesprochenen Doppellaut als Dehnstufe angesehen werden.

ए / e (Mischlaut aus a und i; immer lang, im Sanskrit existiert kein kurzes e)
ऐ / ai (Doppellaut, gesprochen ebenfalls ai)
ओ / o (Mischlaut aus a und u; immer lang, im Sanskrit existiert kein kurzes o)
औ / au (Doppellaut, gesprochen ebenfalls au)

II) Konsonanten

Alle Konsonanten, in Sanskrit Vyanjanah, beinhalten ein kurzes a (Grundstufe) als sogenannten inhärenten Vokal.

II.1) Velare

Bei Velaren, in Sanskrit Kanthyah, bildet der hintere Zungenrücken entweder einen Verschluss am Gaumensegel (Velum Palatinum) oder er nähert sich diesem stark.

क / ka (stimmloser Plosiv)
ख / kha (stimmloser Plosiv, aspiriert)
ग / ga (stimmhafter Plosiv)
घ / gha (stimmhafter Plosiv, aspiriert)
ङ / ṅa (Nasal, gesprochen wie im Deutschen ng bei ringen)

II.2) Palatale

Bei Palatalen, in Sanskrit Talavyah, hat der vordere Zungenrücken entweder Kontakt mit dem vorderen Gaumenbereich (Palatum Durum) oder nähert sich diesem stark.

च / ca (stimmloser Plosiv, gesprochen tscha)
छ / cha (stimmloser Plosiv, aspiriert, gesprochen tsch-ha)
ज / ja (stimmhafter Plosiv, gesprochen dscha)
झ / jha (stimmhafter Plosiv, aspiriert, gesprochen dsch-ha)
ञ / ña (Nasal)

II.3) Retroflexe

Bei Retroflexen, in Sanskrit Murdhanyah, biegt sich Zungenspitze etwas zurück und wird hinter den Zahndamm gelegt.

ट / ṭa (stimmloser Plosiv)
ठ / ṭha (stimmloser Plosiv, aspiriert)
ड / ḍa (stimmhafter Plosiv)
ढ / ḍha (stimmhafter Plosiv, aspiriert)
ण / ṇa (Nasal)

II.4) Dentale

Bei Dentalen, in Sanskrit Dantyah, berührt die Zungenspitze die oberen Schneidezähne (Dens) von innen.

त / ta (stimmloser Plosiv)
थ / tha (stimmloser Plosiv, aspiriert)
द / da (stimmhafter Plosiv)
ध / dha (stimmhafter Plosiv, aspiriert)
न / na (Nasal, gesprochen wie im Deutschen na bei Name)

II.5) Labiale

Bei Labialen, in Sanskrit Oshthyah, sind Lippen (Labium) bei Beginn des Lautes geschlossen.

प / pa (stimmloser Plosiv)
फ / pha (stimmloser Plosiv, aspiriert)
ब / ba (stimmhafter Plosiv)
भ / bha (stimmhafter Plosiv, aspiriert)
म / ma (Nasal, gesprochen wie im Deutschen ma bei malen)

II.6) Semikonsonanten und Approximanten

Semikonsonanten (auch als Semivokale bezeichnet) zählen zwar zu den Konsonanten, werden jedoch stark vokalisch gesprochen. Bei Approximanten (Näherungslauten), nähert sich Zunge dem vorderen Gaumenbereich (Palatum Durum) ohne jedoch diesen zu berühren. Semikonsonanten und Approximanten werden in Sanskrit unter dem Begriff „Antahsthah“ zusammengefasst.

य / ya (Semikonsonant)
र / ra (Approximant; retroflexes bzw. gerolltes r wie im Italienischen ristorante)
ल / la (Approximant)
व / va (Semikonsonant, ähnlich gesprochen wie im Deutschen ua bei Qualle)

II.7) Frikative

Frikative, in Sanskrit Ushmanah, sind Reibe- und Hauchlaute.

II.7.a) Stimmlose Frikative (Reibelaute)

Die aus dem Mund ausströmende Luft passiert eine enge Stelle an den Zähnen oder am Gaumen.

श / śa (palatal gesprochenes sch, ähnlich wie im Deutschen)
ष / ṣa (retroflex gesprochenes sch)
स / sa (stimmloses s, wie im Deutschen)

II.7.b) Stimmhafter Frikativ (Hauchlaut)

ह / ha

II.7.c) Verbindung von velarem, stimmlosem Plosiv und stimmlosem Frikativ

क्ष / kṣa (Diese Glyphe ist eine Ligatur, d.h. eine Verbindung aus den Konsonanten क / ka und ष / ṣa.)

III) Diakritika (angefügte Zeichen)

Diakritika werden an Konsonanten angefügt und bedeuten eine Veränderung, Nasalierung, Aspiration oder Eliminierung derer inhärenter Vokale. Da Diakritika weder einen eigenständigen Charakter aufweisen noch bedeutungstragend sind, gelten sie nicht als Glyphen. Jedoch stellen sie zumindest bedeutungsunterscheidende grafische Elemente dar, sogenannte Grapheme, denn sie sind jeweils einem einzigen, ganz bestimmten Phonem zugeordnet und daher stets relevant für die Eindeutigkeit der Artikulationsbestimmung. Devanagari wird zwar von links nach rechts geschrieben, jedoch gilt hierbei zu beachten, dass die lineare Abfolge der Grapheme, die eine Glyphe bilden, nicht zwingend der Folge der gesprochenen Laute entspricht. (Z.B. setzen Diakritika zuweilen links an einer Glyphe an, bewirken aber im Gesprochenen eine Veränderung am Ende der Silbe.)

III.1) Monophthonge (echte Vokale)

ा / ā (Dehnstufe)
ि / i (Grundstufe)
ी / ī (Dehnstufe)
ु / u (Grundstufe)
ू / ū (Dehnstufe)

III.2) Vokalische Konsonanten

Die Aussprache der vokalischen Konsonanten wird gebildet, indem sich die Zungenspitze der Gaumenkuppel nähert.

ृ / ṛ (wie im Englischen ri bei riddle, Grundstufe)
ॄ / ṝ (wie , aber Dehnstufe)
ॢ / l (ein l , bei dem die Zungen den Gaumen nicht berührt, Grundstufe)
ॣ / ḹ (wie , aber Dehnstufe)

III.3) Diphthonge (Mischlaute und Doppellaute)

े / e (Mischlaut aus a und i; immer lang, im Sanskrit existiert kein kurzes e)
ै / ai (Doppellaut, gesprochen ebenfalls ai, wie bei Kaiser)
ो / o (Mischlaut aus a und u; immer lang, im Sanskrit existiert kein kurzes o)
ौ / au (Doppellaut, gesprochen ebenfalls au, wie bei Bauer)

III.4) Nasalierter Nachlaut

ं / ṃ
Der Punkt, in Sanskrit Bindu, markiert normalerweise den nasalierten Nachlaut, in Sanskrit Anusvara, seltener auch Anunasika.

ँ / ṃ
Mond und Punkt, in Sanskrit Candrabindu, markieren in manchen Darstellungen den nasalierten Nachlaut, wenn sich bei der markierten Glyphe keine Vokalzeichen oberhalb der Querlinie, in Sanskrit Rekha, befinden.

Ist eine Glyphe mit einem Bindu oder Candrabindu ausgezeichnet, so bedeutet das, dass die der Glyphe entsprechende Silbe einen sogenannten Anusvara enthält. In diesem Fall wird im Gesprochenen an den Vokal ein Nasal angehängt, der zwar grundsätzlich mit transkribiert wird, jedoch von Fall zu Fall unterschiedlich ausgesprochen wird. Steht der Anusvara im Wortinneren – oder bei Komposita am Ende des ersten Wortes – so wird er wie der Nasal derjenigen Phonemgruppe gesprochen, der der folgende Konsonant angehört, also z.B. als , falls darauf ein Konsonant aus der Gruppe der Velare folgt. Folgt dem Anusvara ein Frikativ, gilt folgende Regel: Vor śa wird der Anusvara wie ñ gesprochen, vor sa wie n und vor ṣa wie und vor ha wie . In allen anderen Fällen wird er als m gesprochen. Bindu und Candrabindu stellen in Bezug auf die „Graphem-Phonem-Korrespondenz“ die Ausnahme dar, da beide Grapheme, wie oben beschrieben, im Gesprochenen jeweils die Phoneme , ñ, , n oder auch m bedeuten können. D.h. in diesem einzigen Sonderfall besteht keine eindeutige Graphem-Phonem-Korresponzenz.

III.5) Aspirierter Nachlaut

ः / ḥ
Beim aspirierten Nachlaut, in Sanskrit Visarga, wird der vorangegangene Vokal aspiriert, d.h. es wird (auch im Gesprochenen) ein h angehängt.

III.6) Auslassung


Ist an einen Konsonanten ein das Zeichen für eine bestimmte Auslassung, in Sanskrit Virama, angefügt, so fällt der inhärente Vokal a ersatzlos weg. In der Transkription wird der Virama überhaupt nicht dargestellt.

III.7) Auslassung

ऽ / ’
Falls ein Wort auf e oder o – beide im Sanskrit immer lang – endet und das darauffolgende Wort mit einem kurzen a beginnt, entfällt dieses im Gesprochenen, während es im Geschriebenen durch ein stummes Zeichen für eine bestimmte Auslassung, in Sanskrit Avagraha ersetzt.

IV) Ligaturen

Ligaturen werden geschrieben, wenn zwei Konsonanten direkt aufeinander folgen (D.h. der erste der beiden Konsonanten besitzt keinen inhärenten Vokal.). Hier muss angemerkt werden, dass es in Devanagari einige hundert Ligaturen gibt, die in ihrer traditionellen Form nicht in Unicode enthalten sind, d.h. im Internet auch nicht als Schrift dargestellt werden können. In einigen Fällen bietet Unicode hier alternativ eine vereinfachte Ligaturschreibweise an. Viele Ligaturen werden von Unicode aber weder in traditioneller noch in der vereinfachter Schreibweise dargestellt. Die Bildung der Ligaturen erfolgt im Wesentlichen nach zwei Regeln:

IV.1) Erste Regel für die Bildung von einfachen Ligaturen

Schließt die erste der beiden zu verbindenden Glyphen rechts mit einem senkrechten Strich ab, so entfällt dieser, was symbolisiert, dass der inhärente Vokal entfällt. (Ligaturen, bei denen der zweite Konsonant ein र / ra ist, werden anders gebildet.)

Beispiele:
ग / ga und द / da wird zu ग्द / gda
च / ca und य / ya wird zu च्य / cya
ज / ja und व / va wird zu ज्व / jva
त / ta und त / ta wird zu त्त / tta
त / ta und म / ma wird zu त्म / tma
त / ta und य / ya wird zu त्य / tya
ध / dha und न / na wird zu ध्न / dhna
ध / dha und य / ya wird zu ध्य / dhya
न / na und त / ta wird zu न्त / nta
न / na und द / da wird zu न्द / nda
न / na und ध / dha wird zu न्ध / ndha
न / na und न / na wird zu न्न / nna
म / ma und ब / ba wird zu म्ब / mba
म / ma und न / na wird zu म्न / mna
प / pa und ल / la wird zu प्ल / pla
प / pa und स / sa wird zu प्स / psa
ल / la und ल / la wird zu ल्ल / lla
व / va und य / ya wird zu व्य / vya
श / śa und म / ma wird zu श्म / śma
श / śa und य / ya wird zu श्य / śya
ष / ṣa und क / ka wird zu ष्क / ṣka
ष / ṣa und ट / ṭa wird zu ष्ट / ṣṭa
ष / ṣa und ठ / ṭha wird zu ष्ठ / ṣṭha
स / sa und क / ka wird zu स्क / ska
स / sa und त / ta wird zu स्त / sta
स / sa und थ / tha wird zu स्थ / stha
स / sa und न / na wird zu स्ना / sna

IV.2) Zweite Regel für die Bildung von einfachen Ligaturen

Schließt die Glyphe des ersten Konsonanten nicht mit einem senkrechten Strich ab, so wird in der traditionellen Schreibweise die Glyphe des zweiten Konsonanten unter die des ersten gesetzt. (Ausnahme: In der traditionellen Schreibweise werden die Glyphen der Konsonanten न / na und ल / la als zweiter Bestandteil einer Ligatur grundsätzlich unter die Glyphe des ersten Konsonanten gesetzt.)

Beispiele:
ट / ṭa und ट / ṭa wird zu ट्ट / ṭṭa
ट / ṭa und ठ / ṭha wird zu ट्ठ / ṭṭha
ठ / ṭha und ठ / ṭha wird zu ठ्ठ / ṭhṭha
द / da und द / da wird zu द्द / dda

Da die meisten dieser Ligaturen nicht Bestandteil von Unicode und daher im Internet leider nicht als Schrift darstellbar sind, existiert neben der traditionellen Schreibweise noch eine neue, alternative Schreibweise, die von Unicode unterstützt wird. Hierbei verliert die erste Glyphe einen Teil ihrer rechten Hälfte. (Ausnahme: In der traditionellen Schreibweise werden die Glyphen der Konsonanten म / ma und य / ya als zweiter Bestandteil einer Ligatur grundsätzlich hinter die Glyphe des ersten Konsonanten gesetzt.)

Beispiele:
क / ka und क / ka wird zu क्क / kka
क / ka und त / ta wird zu क्त / kta
क / ka und म / ma wird zu क्म / kma
क / ka und य / ya wird zu क्य / kya
क / ka und व / va wird zu क्व / kva
छ / cha und क / ka wird zu छ्क / chka
छ / cha und म / ma wird zu छ्म / chma
छ / cha und य / ya wird zu छ्य / chya
फ / pha und त / ta wird zu फ्त / phta
ह / ha und क / ka wird zu ह्क / hka
ह / ha und त / ta wird zu ह्त / hta
ह / ha und ण / ṇa wird zu ह्ण / hṇa
ह / ha und न / na wird zu ह्न / hna
ह / ha und म / ma wird zu ह्म / hma
ह / ha und य / ya wird zu ह्य / hya
ह / ha und ल / la wird zu ह्ल / hla
ह / ha und व / va wird zu ह्व / hva

IV.3) Ligaturen mit र / ra

Alle Ligaturen, die die Glyphe र / ra enthalten, werden in besonderer Weise gebildet.

IV.3.a) Erste Regel für die Bildung von Ligaturen mit र / ra

Vor einem Konsonanten wird र / ra nur als kleiner Bogen über diesem dargestellt.

Beispiele:
र / ra und क / ka wird zu र्क / rka
र / ra und ठ / ṭha wird zu र्ठ / rṭha
र / ra und द / da wird zu र्द / rda
र / ra und र / ra wird zu र्र / rra
र / ra und die Ligatur ल्स / ḷsa wird zu र्ल्स / rḷsa

IV.3.b) Zweite Regel für die Bildung von Ligaturen mit र / ra

Folgt die Glyphe र / ra auf einen Konsonanten, der eine senkrechte Linie besitzt, so wird sie als kleine, diagonale Linie an diese angehängt.

Beispiele:
र / ra und क / ka wird zu क्र / kra
र / ra und ग / ga wird zu ग्र / gra
र / ra und घ / gha wird zu घ्र / ghra
र / ra und च / ca wird zu च्र / cra
र / ra und ज / ja wird zu ज्र / jra
र / ra und झ / jha wird zu झ्र / jhra
र / ra und ञ / ña wird zu ञ्र / ñra
र / ra und ण / ṇa wird zu ण्र / ṇra
र / ra und थ / tha wird zu थ्र / thra
र / ra und द / da wird zu द्र / dra
र / ra und ध / dha wird zu ध्र / dhra
र / ra und न / na wird zu न्र / nra
र / ra und प / pa wird zu प्र / pra
र / ra und फ / pha wird zu फ्र / phra
र / ra und ब / ba wird zu ब्र / bra
र / ra und भ / bha wird zu भ्र / bhra
र / ra und म / ma wird zu म्र / mra
र / ra und य / ya wird zu य्र / yra
र / ra und ल / la wird zu ल्र / lra
र / ra und व / va wird zu व्र / vra
र / ra und ष / ṣa wird zu ष्र / ṣra
र / ra und स / sa wird zu स्र / sra
र / ra und ह / ha wird zu ह्र / hra

IV.3.c) Dritte Regel für die Bildung von Ligaturen mit र / ra

Es existieren einige Fälle, bei denen र / ra auf einen Konsonanten mit senkrechter Linie folgt, und dabei eine irreguläre Ligatur bildet.

Beispiele:
र् / ra und ख / kha wird zu ख्र / khra
र / ra und त / ta wird zu त्र / tra
र / ra und श / śa wird zu श्र / śra

IV.3.d) Vierte Regel für die Bildung von Ligaturen mit र / ra

Folgt die Glyphe र / ra auf einen Konsonanten, der keine senkrechte Linie besitzt, so wird sie als kleiner Winkel unter diesen angefügt.

Beispiele:
र / ra und छ / cha wird zu छ्र / chra
र / ra und ट / ṭa wird zu ट्र / ṭra
र / ra und ठ / ṭha wird zu ठ्र / ṭhra
र / ra und ड / ḍa wird zu ड्र / ḍra
र / ra und ढ / ḍha wird zu ढ्र / ḍhra
र / ra und ङ / ṅa wird zu ङ्र / ṅra

IV.4) Irreguläre Ligaturen

Bei bestimmten Konsonantenpaaren weicht die Schreibweise der Ligatur von den oben genannten Regeln ab. Hier werden die Glyphen in besonderer Weise miteinander verbunden. Einige dieser Ligaturen sind auch mit Unicode-Schriften darstellbar.

Beispiele:
ज / ja und ञ / ña wird zu ज्ञ / jña
द / da und म / ma wird zu द्म / dma
द / da und ध / dha wird zu द्ध / ddha
द / da und भ / bha wird zu द्भ / dbha

IV.4.a) Die heilige Silbe

ॐ / oṃ (Die korrekte Schreibweise wäre eigentlich ओं / oṃ. Obwohl die Silbe oṃ , in Sanskrit auch als „Pranava“ bezeichnet, aus Vokalen besteht, wird sie in Devangari meist durch eine besondere Ligatur dargestellt, die sich aus der linken Hälfte des अ / a, dem rechten Bogen des ऊ / ū und dem Candrabindu ँ / ṃ zusammensetzt.)

V) Betonungszeichen

Im Gegensatz zum klassischen Sanskrit, das eine sogenannte Akzentsprache mit einem ableitbaren Betonungssystem darstellt, ist das ältere vedische Sanskrit (Vedisch) des Öfteren mit Betonungszeichen ausgezeichnet. Es kennt drei Arten, Silben besonders zu betonen, nämlich hoch (udatta), tief (anudatta) und fallend (svarita). Daher wird es auch als eine sogenannte gemäßigte Tonsprache bezeichnet.

॑ / ॔ hoch, udatta
॒ / ॓ tief, anudatta

VI) Querlinie

Bei alten Sanskrit-Texten wurde Devanagari in einer sogenannten Scriptura Continua geschrieben, d.h. die von der oberen horizontalen Linie, in Sanskrit Rekha, zusammengehaltenen Glyphen stellen meist mehr als ein Wort dar; Wortabstände existieren somit nicht. Die Linie wird nur durch bestimmte Glyphen, bzw. Ligaturen (nämlich अ / a; आ / ā; ओ / o; औ / au; थ / tha; ध / dha; und भ / bha) oder am Zeilenende unterbrochen. Heutzutage werden Devanagari-Texte in Pausa-Form geschrieben, d.h. die Rekha wird nach jedem Wort unterbrochen.

VII) Satzzeichen

। / , oder .
Das einfache Trennzeichen, in Sanskrit Danda, dient der Trennung von Sätzen oder Sinnabschnitten. Der Danda markiert bei Versen alter Schriften auch das Zeilenende, also das Ende der ersten Hälfte eines Doppelverses.

॥ / . oder Absatz
Das doppelte Trennzeichen, auch doppelter Danda, dient der Trennung stärkerer Sinnabschnitte wie Absätze. Er markiert in alten Schriften auch das Ende eines Doppelverses.

VIII) Ziffern

० / 0
१ / 1
२ / 2
३ / 3
४ / 4
५ / 5
६ / 6
७ / 7
८ / 8
९ / 9

7 Kommentare

  1. Lutz

    Sehr komplex und tolle Zusammenstellung auf dieser Seite!

    Wir sind gerade auf der Suche nach der korrekten Aussprache von “jya-ardha” (halbe Sehne) und “jiva” (Abkürzung von jya-ardha).

    Wäre dies in etwa richtig:
    jya-ardha: “dscha arda”
    jiva: “dscheiva”

    Vielen Dank!

    • Parameshvara

      Hallo,

      danke für das Kompliment. Sanskrit bedeutet ja auch soviel wie komplex. Die Frage ist aber auch einigermaßen speziell. Also: Zuerst die korrekte Schreibweise. Die Aussprache wird in lateinischer Schrift am besten in IAST dargestellt. Ich habe Euch die Aussprache unten aber auch noch einmal in vereinfachter Form dargestellt. (Das ist aber NICHT die Schreibweise).

      Korrekte Schreibweise (Vereinfachte Schreibweise | Devanagari | IAST):

      Jya | ज्या | jyā | (f.) – (1.) Bogensehne (2.) als Begriff der Mathematik: Sinus

      Jiva | जीवा | jīvā | (f.) – (1.) Leben (2.) (der Planet) Erde (3.) Bogensehne (4.) als Begriff der Mathematik: Sinus

      Jyardha | ज्यार्ध | jyārdha | (m.) – als Begriff der Mathematik: Sinus

      ardha | अर्ध | ardha | (Adj. oder Präfix) – halb; halb-

      Vereinfachte Aussprache (NICHT Schreibweise):

      dschiaa – langes a

      dschiivaa – langes i; langes a

      dschiaardha – langes a; als ein Wort gesprochen; das h wird (wie alle Grapheme des Sanskrit) hörbar gesprochen.

      Jiva würde ich nicht als Abkürzung von Jyardha bezeichnen. Es sind einfach zwei verschiedene Worte für die selbe Sache. Ich bin mir übrigens gar nicht sicher, ob es sich bei “Jyardha” um ein Kompositum aus “Jya” und “ardha” handelt.

      Wofür braucht Ihr das denn, bzw. was ist der Kontext? Würde mich interessieren, da die Worte, wie gesagt, eher speziell sind. Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben. Ist für mich auch immer interessant, und wenn ich gerade Zeit habe …

      Om Shanti
      Parameshvara

  2. Lutz

    Super, Danke für die ausführliche Antwort!

    Wir benötigen die Information für die Etymologie des Wortes “Sinus”.

    Es entstand laut diversen Quellen aus dem Sanskrit-Wort jya-ardha, soll jiva abgekürzt worden sein, ins Arabische direkt übertragen (jb), daraus wurde dann jaib (mit einer anderen Bedeutung: Brust, Krümmung), was dann wiederum direkt ins Lateinische mit Sinus (Busen, Krümmung) transferiert wurde.

    Ein sehr interessantes Wort der Mathematik, da man hieran sieht, wie die Idee/Anwendung des Sinus historisch “gereist” ist!

    • Parameshvara

      In der Tat sehr interessant. dann hat sich das zu Jiva verschliffen. Aber Jiva ist wie gesagt auch im Sanskrit ein bekannter Begriff. Mit kurzem a am Ende und Maskulinum und Neutrum bedeutet das Wort auch Seele (im Gegensatz zu “Atman” jedoch nicht die unsterbliche Seele, im Sinne des reinen Bewusstseins, sondern im Sinne des sich als abgegrenzt empfindenden menschlichen Bewusstseins). Schön, jetzt haben wir alle was gelernt. Bitte liked uns auch mal!

      Liebe Grüße aus Stuttgart

    • Parameshvara

      Klingt fast perfekt. Das h sollte man deutlich hören. Das ist für uns Westler etwas ungewohnt. Stell Dir vor Du würdest die deutschen Wörter “Rad” und “Hammer” zu “Radhammer” (macht jetzt natürlich keinen Sinn) verbinden. So etwa. Ansonsten genau richtig.

      Om Shanti
      Parameshvara

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